Wahlkreis 10

Anne Merit Noetzel

Kandidatencheck der HNA

Unsere Kandidatin im Wahlkreis 10 im Interview mit der HersfelderZeitung.

Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

mit den folgenden Zeilen hier auf unseren Internetseiten möchte ich mich Ihnen kurz vorstellen, damit auch Sie, die mich nicht an einem unserer Informationsstände persönlich kennenlernen konnten, sich ein Bild von mir machen können.

Geboren wurde ich 1967 in Kiel, aber schon nach ein paar Jahren zog es unsere Familie aufs Land östlich von Kiel. Viele Jahre lebte ich auf einem Resthof mit Pferden, Hunden, Katzen, Hühnern, Ziegen, und Schweinen – meinen heimlichen Lieblingstieren. Diese Jahre, aber auch das Leben in einem Forsthaus oder jetzt in einem Dorf, haben mich deutlich geprägt – ich lebe leidenschaftlich gern auf dem Land.

Nach meiner ersten Schullaufbahn erlernte ich in einem wirklichen Familienbetrieb den Handwerksberuf Maschinenbau. Der erfolgreiche Abschluss brachte mich, über den zweiten Bildungsweg, zurück an die Schule, wo ich schließlich meine Hochschulreife erlangte. Der Wunsch Agrarwirtschaft zu studieren brachte mich dann 1994 nach Witzenhausen, wo sich der Fachbereich 11 (Agrarwirtschaft) der Universität Kassel (damals Fachhochschule Kassel) befindet.

Zwischen Fachhochschulreife und Studium verbrachte ich unter anderem ein Jahr in Westafrika, in The Gambia, um genauer zu sein. Die Zeit dort war ebenfalls sehr prägend für mich, weil mir dort sehr bewusst wurde, wie sehr „unsere“ Art zu leben das Leben weit entfernter Menschen beeinflusst. Und so war dann auchfür mich die Wahl meines späteren Studienschwerpunktes klar. Ein weiteres Jahr in The Gambia folgte während des Studiums.

In Witzenhausen also studierte ich erst „Internationale Agrarentwicklung“ (Diplom I) und später dann noch „Ökologischen Landbau“ (Diplom II). Jeweils nach den Abschlüssen arbeitete ich an verschiedenen Forschungsprojekten im Bereich Agrartechnik an der Universität Kassel mit. Zuletzt arbeitete ich für mehrere Jahre als technische Ausbilderin an einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte für „grüne Berufe“ in Witzenhausen.

Aus einem “CDU-Haushalt” stammend, war ich mit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen, die in Deutschland, aber auch anderenorts, stattfanden und heute noch stattfinden, immer weniger einverstanden. Die Abwicklung der ehemaligen DDR in den 90’ern, die darauf folgende Agendapolitik Schröders in den Nuller-Jahren und deren Weiterführung durch Schwarz/Gelb haben mich zunehmend politisiert, bis ich nicht mehr länger nur vor dem Fernseher schimpfend auf dem Sofa sitzen konnte – es war Zeit für mich aktiv zu werden. 2011 knüpfte ich dann erste Kontakte zur Partei “Die Linken”, der ich dann Anfang 2012 auch beitrat. Seit 2016 bin ich im Vorstand des Kreisverbandes Hersfeld-Rotenburg und auch im Landesvorstand aktiv. Für die diesjährige Landtagswahl kandidiere ich sowohl direkt im Wahlkreis 10 (Rotenburg) als auch auf der Landesliste.

Meine politischen Schwerpunkte liegen, gebildet durch meine persönlichen und beruflichen Erfahrungen, in der Entwicklung ländlicher Räume und der Bildungsarbeit. Dabei verfolge ich das Ziel eines sozialen und ökologischen Umbaus von Wirtschaft und Gesellschaft.

Um nachhaltige, positive Impulse auf Beschäftigung und Entwicklung in ländlichen Räumen zu bekommen, möchte ich mich unter anderem für Folgendes einsetzen:

  1. Dezentralisierung öffentlicher Einrichtungen undVerwaltung. Regierung und Verwaltung sollten ihren Teil dazu beitragen sichereBeschäftigungsmöglichkeiten im ländlichen Raum zu schaffen.
  2. Umfassende Einrichtung von Küchen und Kantinen in allen Bildungseinrichtungen (zu Verpflegungs- und Ausbildungszwecken), in öffentlichen Institutionen (zu Verpflegungszwecken mit allgemeinem Zugang) und in Einrichtungen der Kranken- und Altenpflege (mindestens zur eigenen Verpflegung).
  3. Erhöhung der Nachfrage nach regional und ökologisch erzeugten Lebensmitteln durch vorgenannte Küchen (erst wenn nachweislich keine regionalen bzw. ökologischen Produkte bezogen werden können, greifen bisherige Bezugswege)
  4. Breite Unterstützung einer bäuerlichen Landwirtschaft und des Gartenbaus mit Hinblick auf eine vielfältige, ökologische und regionale Versorgung. Wochenmarkt statt Weltmarkt und mehr Beete statt Äcker.
  5. Förderung des Handwerks – insbesondere des Handwerks zur Weiterverarbeitung land- und gartenbaulicher Produkte (Vielfalt statt industriell normierter Massenware).
  6. Entzerrung der Zeiten des Arbeits- bzw. Schulbeginns und – endes, um den öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) sinnvoll entwickeln zu können (kleinere Einheiten, die öfter über die einzelnen Strecken fahren)
  7. Fahrscheinloser ÖPNV für Schüler, Studenten, Auszubildende und finanziell Bedürftige als “Sofortmaßnahme”.
  8. Ausbau des Breitband- und Mobilfunknetzes zur Erreichung akzeptabler Datenübertragungsgeschwindigkeiten auch in der Fläche. Ein zuverlässiges, „flüssiges“ Internet ist für wirtschaftliches Gelingen essenziell und erhöht auch ganz allgemeindie Attraktivität ländlicher Räume. (Telekommunikationsunternehmen sollen in Ballungsräumen erst dann Ausbaugenehmigungen für ihre Netze bekommen, wenn in der Fläche der gleiche Versorgungsgrad erreicht ist.)
  9. Erhaltung bzw. Wiederherstellung des Dorfkindergartens, der Dorfschule und der Jugendfreizeit. Eine Aktivierung des Dorflebens kann nur schwerlich gelingen, wenn für Kinder und Jugendlichekeine attraktiven Voraussetzungen geschaffen werden.
  10. Auch im Alter darf der ländliche Raum kein Abstellgleis sein. Die Förderung von Begegnungsstätten und kleinen Einheiten des betreuten Wohnens sollen die familiäre Bindung erhalten können, ohne das die Versorgung Pflegebedürftiger zur Belastung der Familie werden, oder man gezwungensein wird inweit von der Familie entfernte Pflegeheime abgeschoben zu werden.

Gelingt es uns gemeinsam diese Richtung einzuschlagen und erfolgreich geeignete Projekte zu realisieren, dann wird das die Attraktivität unserer ländlichen Räume deutlich erhöhen und weitere positive Entwicklungen hervorbringen. Sieht man auf dem Land wieder eine Zukunft für sich und seine Familie, dann werden sich auch andere, als die vorgenanntenBereiche, verbessern oder wieder Aufleben –Gemeinde- bzw. Bürgerhäuser, Schwimmbäder, Sportplätze, …

Lassen Sie uns dieses Vorhaben beginnen, beteiligen Sie sich an diesem Projekt und stärken es mit Ihrer Stimme.

Vielen Dank

Ihre Anne Merit Noetzel.